Mitteilung vom 21. November 2008
Im Jahre 1986 stiess Dr. Sergej Kot in Kiew bei Archivarbeiten auf geheime Dokumente, die auf eine nicht geringe Anzahl aus Deutschland stammende Gemälde hindeuteten. Er nahm diese Dokumente mit nach Hause, seitdem lagern sie in seinem Privatarchiv. Dr. Kot schloss 1980 sein Studium ab, war noch jung und ein wenig unerfahren, beschäftigte sich damals mit anderen wissenschaftlichen Fragen. So entschied er sich, die brisanten Dokumente vorerst liegen zu lassen, war aber der festen Überzeugung, dass die Zeit für eine Aufarbeitung noch kommen würde. Ausserdem sollte man nicht vergessen, während der neunziger Jahren existierte noch die Sowjetunion und es war während der Zeit des eisernen Vorhanges sehr heikel, sich mit Fragen zur Beutekunst zu beschäftigen.
Ich nahm 1995 an einer Studienreise der Bremer Universität nach Kiew teil. Diese wurde vom Bremer Professor Dr. Wolfgang Eichwede geleitet, von der ukrainischen Seite wurden wir von Dr. Kot betreut. Ich freundete mich mit Dr. Kot an, in den folgenden Jahren wurden wir enge Freunde. Diese Freundschaft hält bis heute an, wir haben viele Reisen zusammen unternommen.
Dr. Kot, der mittlerweie ein weltweit anerkannter Kunsthistoriker und Beutekunst Spezialist ist, erzählte mir Ende 2002 bei sich zu Hause in Kiew von den Aachener Bilder. Er fragte mich um Rat und wir waren uns schnell einig, uns an die Aufbereitung dieser Dokumente zu machen. Da Dr. Kot weder gut Englisch noch Deutsch spricht, war meine übersetzende sowie organisatorische Tätigkeit von grosser Bedeutung.
2003 wurde Dr. Sergej Kot von der Forschungsstelle Bremen nach Bremen eingeladen. Dort besprachen wir erstmals die Thematik der Aachener Bilder mit Professor Dr. Wolfgang Eichwede, der uns wiederum an Dr. Alexander Steininger in Aachen vermittelte. Wir machten uns auf eigene Kosten auf die Reise nach Aachen, ohne das Suermondt-Ludwig-Museum vorab informiert zu haben. Dort war man über unsere Aussagen über den Verbleib der Aachener überrascht. Wir konnten leider zu diesem Zeitpunkt keine grösseren Details preisgeben, die Aachener Gemälde lagerten damals noch zusammengeschnürt in einem Geheimdepot in der Ukraine und waren kaum zugänglich. Die Geheimhaltung der Bilder seitens der ukrainischen Seite erschwerte unsere Arbeit enorm.
Wir vereinbarten für 2004 mit dem Suermondt-Ludwig-Museum einen weiteren Termin. Mein Vater Dr. Gaston Netter unterschrieb die Verpflichtungserklärung (Einladung) für Dr. Kot, um bei der Konsularabteilung der deutschen Botschaft in Kiew das notwendige Visum für die zweite Aachenreise zu bekommen. Parallel bekam Dr. Kot eine zweite Einladung der freien ukrainischen Universität in München, der wir folgten. Dr. Kot hielt in München Vorlesungen und führte einen Diskussionsabend. Darüber hinaus machte er sich vor Ort um den Verbleib ukrainischer Kunstgegenstände in der Bundesrepublik schlau. Seine Idee war es damals gewesen, ukrainischer Kunstgegenstände mit den Aachener Gemälde Zug um Zug auszutauschen.
In Aachen wurde vom Suermondt-Ludwig-Museum eine Sitzung einberufen an der unteranderem die damalige Kulturdezernetin Frau Isebel Pfeiffer-Poensgen, Herr Dr. Steininger und ich teilnahmen. Anschliessend arbeiteten Dr. Kot und ich zwei Tage im Archiv des Suermondt-Ludwig-Museum, wo uns die Aachener Verlustliste zur Identifizierung und zum Katalogisieren zur Verfügung gestellt wurde. Diese Verlustliste wurde für uns kopiert und wir nahmen sie mit zurück nach Kiew, um mit unseren, aus der sowjetischen Zeit stammenden Unterlagen, abgleichen zu können.
Trotzdem hatten wir irgendwie den Eindruck bekommen, dass uns seitens des Suermondt-Ludwig-Museums kein grosser Glaube geschenkt wurde und kein allzu grosses Interesse bestand mit uns zusammen zu arbeiten.
Wahrscheinlich aus diesem Grunde wurde unsere Aachenreise vom Kultusministerium nur teilweise finanziell mit unterstützt, die Kosten die wir in Deutschland hatten wurden erstattet und auf mein deutsches Konto überwiesen. Ausserdem wurde für uns in Aachen ein Hotelzimmer gebucht. Die Reisekosten von der Ukraine nach Deutschland wurden von uns selbst getragen.
Zurück in Kiew machten wir uns eigenständig und mit der Hilfe des Simferopoler Museums an das Katalogisieren der Aachener Bilder. Wenn es ein grösseres Interesse seitens der Aachener Seite gegeben hätte, wäre das Katalogisieren der Aachener Bilder bis heute abgeschlossen. Wir hatten gehofft, das Katalogisieren der Bilder in Ruhe zu Ende bringen zu können, um uns dann erneut an das Suermondt-Ludwig-Museum zu wenden.